Endlich mal wieder ins Museums – oder – Baby, it‘s cool inside

Letzten Sonntag war ich nach sehr, sehr langer Zeit mal wieder im Museum. (Ihr wisst schon warum….)

Um genau zu sein, habe ich seit einem halben Jahr keine Kunstausstellung oder ein anderes Museum mehr besucht. Wenn man mal vom Besuch des Freilichtmuseums Dorenburg in Grefrath Mitte Juli absieht. Aber da lag ja die Betonung auf Freilicht, also draußen.

Das war auch schon nett und ist auch alle paar Jahre einen Besuch wert, …

Aber so „richtig“ ins Museum bin ich seit Corona nicht mehr gegangen. Zuerst war ja auch alles wochenlang geschlossen und selbst danach fehlte mir die rechte Traute mich länger als nötig (also beim Einkaufen) mit mehr oder weniger vielen Menschen in geschlossenen Räumen aufzuhalten.

Doch letzten Sonntag haben zwei Freundinnen und ich es gewagt und besuchten das Museum Kunstpalast in Düsseldorf.

Dort sind zwei erstaunliche Ausstellungen erfreulicherweise bis in den September hinein verlängert worden.

Die erste, von Peter Lindbergh selbst kuratierte Fotoausstellung (die er kurz vor seinem Tod fertiggestellen konnte) und eine Ausstellung mit Werken von Angelika Kauffmann, einer erstaunlichen Künstlerin, die Mitte des 18. Jahrhunderts geboren wurde. Ich muss gestehen, ich habe erst durch die Ausstellung von ihr Notiz genommen. Sie war wohl in Vergessenheit geraten, obwohl sie ein echtes Multitalent war. (Dazu später noch ein wenig mehr)

Unsere Kombi-Tickets hatte ich online besorgt, ebenso buchte ich das Einlasszeitfenster für die Lindbergh-Ausstellung. Meine Sorge in Coronazeiten in ein Museum zu gehen, wurde durch das Hygienekonzept und die vernünftigen Besucher, die alle brav ihre Masken (auch über den Nasen) trugen, zerstreut.

Wenn man bedenkt, was sich einen Tag vorher bei den Demos in Berlin abgespielt hat, überkommt mich doch noch immer das Unverständnis und, ja, auch ein wenig Wut über die Unvernunft und Ignoranz der Menschen. Ich formuliere das hier mit Absicht etwas neutraler, als ich es am Abend, als ich Berichte davon in den Nachrichten sah, tat. Solche….

Ihr wisst schon, was ich sagen will….

Die Lindbergh-Ausstellung Untold Stories zeigt seine persönliche Auswahl von bekannten, aber auch noch nie gezeigten Arbeiten.

Ich habe dort wenig fotografiert, denn durch die Hängung und die spiegelnden Gläser würde ich den Werken eh nicht gerecht. So habe ich die (fast ausschließlich) Schwarz/Weiß-Aufnahmen auf mich wirken lassen.

Etwas, was ich von Lindbergh gar nicht kannte, war seine filmische Arbeit Testament.

Dabei hat der Künstler durch einen Einwegspiegel einen verurteilten Mörder eine halbe Stunde lang gefilmt. Daraus entstanden auch großformatige, farbige Porträts.

Der Mann saß in einem Gefängnis in Florida ein und ist zwei Monate später dann hingerichtet wurden. Wertfrei und ohne weitere Informationen zu dessen Taten ist das fast mimenlose Spiegelbild faszinierend und irritierend zugleich.

Lindbergh hat sich über Jahre mit Gerichtsprozessen auseinandergesetzt, mit den Fragen über Schuld, soziale und gesellschaftliche Faktoren.

„Ich glaube, dass jeder Mensch unschuldig auf diese Welt kommt.“ Peter Lindbergh

Eine sehr erstaunliche Werkschau, weil sie eben auch ein wenig anders, als erwartet ist.

Uns war ja schon klar, dass die zweite Austellung ein völlig anderes Metier vorstellte und um den Bruch weniger krass zu machen, stärkten wir uns in der Cafeteria erst mal mit einem Kakao mit Sahne. Ja, das hört sich bei den Temperaturen, die am heutigen Sonntag herrschen ein wenig schräg an. Aber einerseits war es letzte Woche am Sonntag deutlich kühler, nur so um die 20 Grad und im Museum war es sogar echt frisch, so dass ich innen tatsächlich mein (wohlweislich mitgebrachtes) Strickjäckchen anzog.

Baby, it‘s cool, inside!

Da bin ich durch zahlreiche Museen-Besuche in NY doch immer bestens präpariert, denn dort habe ich gelernt: Draußen Sauna – Drinnen Kühlschrank. 😉

Angelika Kauffmann: Künstlerin ~ Powerfrau ~ Influencerin

So der Titel der großen Überblicksausstellung. Und der gibt kurz und prägnant wieder, was diese Frau im Zeitalter der Aufklärung geleistet hat. 1741 geboren ist sie ein künstlerisches Multitalent, sowohl begabte Sängerin, als auch Malerin. Von der Mutter hat sie das musikalische Talent, vom Vater die bildschaffende Begabung.

Auf verlinkten Seite des Kunstpalasts gibt es viele Informationen über diese einzigartige Frau.

Besonders detailliert hat Astrid auf ihrem Blog Le monde de kitchi in ihrer Reihe „Great Women“ über das Leben der Künstlerin geschrieben.

Angelika Kauffmanns Kunst überdauert im Louvre, in der Erimitage, in London, nur bei uns ist sie in Vergessenheit geraten.

Sie war eine Europabürgerin, lebte in der Schweiz, Österreich, London und Rom, konnte vier Sprachen, gehörte zur Künstler-und Gelehrtenszene. Sie war emanzipiert, setzte sie doch durch, dass sie für ihre Bilder das gleiche Honorar wie ein männlicher Künstler bekam. Zu der Zeit noch ungewöhnlicher, als in unseren Tagen.

Ihre Bilder, auch die Heldenbilder der griechischen Sagenwelt haben immer einen „weiblichen“ Blick, bei dem der Held auch mal schwach oder als Kind dargestellt sein kann.

Ich war wirklich sehr begeistert von vielen ihrer Werke. Besonders ihre Selbstbildnisse haben es mir angetan.

Was für eine tolle Frau!!

Ich hatte mir von der Angelika-Kauffmann-Ausstellung gar nicht viel erwartet, war eigentlich eher wegen Lindbergh ins Museum gegangen und muss sagen, dass ich auf‘s Angenehmste überrascht und angetan war.

Nein, man kann beide Künstler nicht vergleichen, aber jede Werkschau für sich ist absolut sehenswert.

In anderen Zeiten wären wir vom Museumskomplex Ehrenhof zum nahen Rhein geschlendert und hätten uns ein nettes Lokal gesucht.

Nein, in anderen Zeiten hätten wir uns dort Samstags getroffen, hätten erst in Kunst und Kultur und dann in Kommerz gemacht (sprich: wären noch shoppen gegangen)

Aber, wer will das schon in Coronazeiten? Meine Freundinnen umd ich jedenfalls nicht. Auch so war es ein schöner Tag, endlich wieder mit Kultur, zum Anschauen vor Ort.

Statt eines Restaurantbesuchs hatte ich, die mit dem Auto angereist war, pikante und süße Muffins gebacken, die wir uns auf einer Bank im Garten des Ehrenhofs schmecken ließen.

Was habe ich diese abgespeckte „Tag in Düsseldorf„-Tour genossen! Nach so vielen Monaten weiß man ein auch kleine Freiheiten doch sehr zu schätzen.

Diesen kleinen Bericht über zwei wunderbare Ausstellungen und ein wenig zurückgewonnene Normalität verlinke ich erstmals beim Samstagsplausch von Karminrot. Den habe ich erst heute bewusst entdeckt und freue mich, dass ich auch am Sonntag noch samstagsplauschen kann.

Kommt gut durch diese Hitzeperiode, die mir ja echt „too much“ ist, zumal ohne Meer in Sicht und im Dachgeschoss mit Südbalkon. 😉

Habt es nett und seid mir lieb gegrüßt,

6 thoughts on “Endlich mal wieder ins Museums – oder – Baby, it‘s cool inside

  1. So Mutig bin ich nicht, seit Ausbruch der Pandemie war ich an keiner Ausstellung oder Veranstaltung die sonst immer meinen Sommer verschönern, sei das Freilichttheater, Musical oder Openair Kino. Ich schütze mich in erster Linie für mich, gerade weil es so viele unvernünftige Leute gibt.
    L G Pia

    Gefällt 1 Person

  2. Ich habe es mir auch lange überlegt und ohne die Motivation durch meine Freundin hätte ich es wahrscheinlich auch nicht gemacht.
    Normalerweise würde ich nach D‘dorf immer mit der Stadtbahn fahren, aber auf Öffentlichen Nahverkehr hatte ich gar keine Lust.
    Es war wirklich leer im Museum, die wenigen Leute verteilten sich sehr gut, alle waren rücksichtsvoll. Wahrscheinlich auch Glück gehabt. 😉
    Ja, all die schönen Veranstaltungen, von denen du schreibst, habe ich seit Beginn der Pandemie nicht gemacht.
    Aber dies kleine Stück Kultur lässt mich leichter drauf verzichten.

    Liken

    • Danke für deine lieben Worte.
      Ich hatte letztens gesehen, dass die Ausstellung von Lindbergh im Moment auch parallel in Hamburg zu sehen und habe das gerade mal gegoogelt. Dabei sah ich, dass die „Untold Stories“ ab Dezember wohl in Darmstadt zu sehen sein wird.
      Vielleicht ist das ja eine Option für dich.
      Die Kauffmann-Ausstellung wird es so wohl nirgendwo anders zu sehen geben.
      GLG, Monika

      Gefällt 1 Person

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