Ein Ort zwischen gestern und morgen: World Trade Center Side- oder – Unsere Woche in New York #3

  

Wir waren das letzte Mal 2011 in New York und haben uns damals vor der Skyline Manhattans mit einem WTC-Tower, der schon recht hochgewachsen war, in die Kamera versprochen, wiederzukommen, wenn man die Aussichtsplattform des- dann-höchsten Hauses New Yorks besuchen könne.

Dies Jahr war es soweit! Wie ich euch schon in zwei Reiseberichten (hier und hier) berichtet habe, haben wir eine Woche kurz vor Weihnachten in NY verbracht. 

Und fest eingeplant war der Besuch des One World Observatory, den ich schon von zu Hause aus online gebucht hatte. (Dazu später mehr).

Der Donnerstag, den wir uns für das Gebiet, das heute offiziell World Trade Center Site heißt, aber uns allen wohl immer als Ground Zero oder 9/11-Gebiet im Kopf bleiben wird, war ein grauer, wolkenverhangener Tag. 

Die oberen Drittel der Wolkenkratzer  verschwanden in den Wolken, es nieselte schon morgens und weitete sich zu einem Dauerregen aus.

Dieses Wetter passte irgendwie aber  zu meiner Stimmung, die mich umfing als wir dort eine Führung (gebucht über das 9/11 Tribut Center, nicht zu verwechseln mit dem 9/11 Memorial Museum!!) mit einem früheren Feurerwehrmann machten. Er hatte mit allen Guides, die diese Touren durchführen, gemeinsam, dass sein Lebenslauf mit den Ereinissen an 9/11 verknüpft war. 

(Einen interessanten Bericht über diese Guides findet ihr hier.)

  Der Beginn war an der Feuerwehrstation , direkt gegenüber dem Gelände des WTC, der  Ladder 10 Station. An der Außenmauer ist ein meterlanges Bronzerelief zum Gedenken an die 349 getöteten Firefigter angebracht. 

 Die Footprints, die beiden Wasserbecken, die den Platz der Zwillingstürme einnehmen und auf deren Rand  aus Bronze, die Namen aller Opfer eingestanzt sind, ließen mich doch sehr schlucken und trieben mir die Tränen in die Augen. 

Von daher kam mir der strömende Regen fast recht, denn er passte zu dem Traurigen, Unfassbarem dieses Ortes.

 Durch die persönlichen Erinnerungen unseres Führers, der über zwei Namen an der Umrandung mit dem Wasser aus der darunter liegenden Wanne strich und berichtete, dass seien Söhne eines Kollegen gewesen, wurde das Geschehen so greifbar und machte mich so traurig. Wurde mir doch bewusst, dass dies hier doch letzendlich ein Riesengrãberfeld von fast 3000 Menschen ist. 

Es war wohl nicht das erste Mal, dass unser Guide eine Gruppe führte, denn im Gegensatz zu mir, war er sehr gefasst, erklärte uns anhand einer Puppe die Firefighter-Ausrüstung, wies auf das gelbe Kästchen hin, dass sich wenn der Feuerwehrmann sich längere Zeit nicht bewegt, zu piepsen beginnt. Nach dem Kollaps der Türme piepste es an unzähligen Stellen. (Schluck).

Er führte uns an markante Orte des Geländes, wie den Surviver Tree (der eigentlich verbrannt, im nächsten  Frühjahr wieder austrieb, daraufhin von einem Baumdoktor gepäppelt wurde, und hier wieder ausgepflanzt wurde)

Ja, ja viel Symbolik, viel Pathos, typisch Ami, könntet ihr jetzt denken. 

An vielen Stellen hier, auch im 9/11 Memorial Museum, aber …

…so wurde den Opfern ein würdiges Denkmal gesetzt, den Zurückgebliebenen ein Ort zum Erinnern und Trauern  und letzlich auch der verletzten amerikanischen Seele Balsam gegeben.  Das kann man mögen  oder nicht. Es passt und lässt da vor Ort wohl niemanden kalt.

Nach fast 75 Minuten verabschiedete er sich von unserer kleinen Truppe, nicht ohne sich nochmals für den Regen zu entschuldigen.

  
Nicht fest geplant, mehr dem fürchterlichen Wetter geschuldet, flüchteten wir uns dann ins 9/11 Memorial Museum.

Der Eintritt von 24$ / Person hat sich  auf jeden Fall gelohnt.

Das Gebäude ist gigantisch groß angelegt, die eigentlichen Ausstellungsräume sind unterirdisch angelegt, unter der Plaza.

Viel Platz für Pathos, aber auch Raum für persönliches Erinnern und Gedenken.

 Dies z. B. in einer Historical Exhibition (quasi ein Museum im Museum) über die Abläufe  am 11. September 2001. Sehr sachlich mit vielen persönlichen Fundstücken und didaktisch gut aufbereitet, kann man diesen schrecklichen Tag nachvollziehen. 

Auch ein erstaunlich neutraler, etwa 10-minütiger Bericht, wie es zu der Radikalisierung um die Gruppe um Bin Laden und Al-Qaida kam, findet Raum. 

 
Fotos zu machen war in der In Memoriam – Zone und in der oben erwähnten Ausstellung nicht gestattet. 

Wohl aber in den großzügig angelegten Hallen, wo sich  dann z.B. ein zerstörter Feuerwehrwagen, die letzte geborgene Säule von Ground Zero Zero und  eine amerikanische Flagge zusammen gesetzt aus Stoffen vieler Flaggen, teilweise nur Fädchen, die bei historischen Ereignissen eine Rolle gespielt haben.  (Ja ohne Pathos geht es nicht!)

  

Besonders beeindruckend fand ich das Virgil Quote, bei der der Künstler Spencer Finch versucht hat das Blau des Himmels an diesem Tag (jeder erinnert sich wohl des strahlend blauen Himmels) in fast 3000 Aquarell- Quadraten nachzuempfinden. 

Der Spruch Virgils, geformt aus Stahlresten  des WTC bedeutet übersetzt:

Kein Tag soll dich aus dem Gedächtnis der Zeit löschen.

Über die sogenannten Surviver Stairs, in der Collage rechts unten , konnten sich noch hunderte Menschen über diesen einzigen noch verbliebenen Ausgang retten, bevor die Türme zusammenbrachen.

Als wir das Museum nach 2 1/2Stunden verließen, war unserer beider Meinung, trotz Pathos und Gigantismus:

Sie haben den Opfern ein würdiges Denkmal gesetzt!


Man hätte sich durchaus noch ein wenig Zeit nehmen können, aber wir hatten ja für den Mittag ein Zeitfenster gebucht, um das One World Obsevatory zu besuchen. 

Ob des schrecklichen Wetters und des Towers, der total in den Wolken hing, schlichen wir mit „hängenden Ohren“ hinüber.

Wurden freundlich von einer Angestellten darauf hingewiesen, dass Zero Sight sei, worauf wir unser Onlineticket zeigten und sagten, das wir leider nur schon just diesen Tag und dieses Zeitfenster vorgebucht hätten.

Wie erfreut waren wir da, als wir die Tickets auf den nächsten Tag verschieben konnten, ohne ein Flexi-Ticket (was dann noch mal 20$ teurer gewesen wäre, pP!!) zu besitzen.

So konnten wir einen Tag später bei leichter Bewölkung und sogar etwas Sonnenschein, mit unseren VIP-Tickets an der Schlange vorbei. 

 Ich berichte jetzt mal keine Einzelheiten über die Aufzugfahrten und den Beginn der der Besichtigung, da es da einige interessante Überrschungen gibt. Wer dazu mehr erfahren will, kann den Bericht von dem tollen Blog Loving New York lesen. 

 Wow!! Was für ein Blick über Downtown und Midtown, zur Freiheitsstatue, Staten Island und Brooklyn.

Und da wir als Zeitfenster 3.30PM gewählt hatten, konnten wir diesen Ausblick bei Tag und im Dunkeln genießen. Auch dies ein Tipp vom Blog Loving New York

Das One World Trade Center,  ursprünglich auch mal Freedomtower genannt steht für die Gegenwart und Zukunft des Areals, deshalb werden die Ereignisse vom 9/11 hier auch nicht thematisiert.

 Auch das fand ich gut! Das schreckliche Geschehen ist ja bei Blicken aus dem Fenster noch greifbar, z.B. durch  die Footprints, die auch aus der Höhe  von 1776 Fuß (541 Meter) gut zu erkennen sind.

So hatten wir die World Trade Center Site, ungeplant an zwei Tagen besucht, was ich aber im Nachhinein viel besser fand. Hatte sich der eine Tag doch mit der Vergangenheit und den furchtbaren Ereignissen beschäftigt, so stand der Besuch des Turms einen Tag später für die Zukunft und das Leben.

Außerdem hatten wir dann auch Zeit das Gesehene und Gehörte erst mal sacken zu lassen.

  
Noch ist nicht alles an der WTC Site fertig, sind Gebäude in Bau und die unterirdischen Zugänge zu Path und Subway noch Provisorien. Das alles wird in der näheren  Zukunft fertiggestellt sein. Auch hier ist alles GROSS.

Wie z.B.das Transportation Hub, das eine Mischung aus Verbindungsgängen und Geschäften sein wird, von dem ihr oben in der Collage einen Eindruck bekommt.

Ein Ort zwischen gestern und morgen: World Trade Center Site

Beeindruckend und ein wichtiger Ort unseres Besuchs in New York!

Ein Ort, der ein Statement gegen den Terror ist und der zeigt: Der Terror darf nicht gewinnen!!

Angesichts des gestrigen Terroranschlags in Istanbul mag man zwar schier daran zweifeln und verzweifeln, aber gerade deswegen ist heute vielleicht der richtige Tag von einem Ort des schlimmsten Terrors zu berichten, der wieder auferstanden ist.

Nehmt das als Botschaft und kleinen Gruß von mir, die mir so wichtig ist, dass ich sie heute auch beim  Mmi von Frollein Pfau einstelle.


Liebe Grüße,

Monika

2 thoughts on “Ein Ort zwischen gestern und morgen: World Trade Center Side- oder – Unsere Woche in New York #3

  1. Ich war noch niemals in New York und werde es wohl auch in Zukunft nicht sein, denn das ist alles irgendwie nicht meine Welt. Aber dieses Memorial würde ich wohl auch besuchen, denn das war schon ein sehr denkwürdiger Tag, an denen ich mich erinnere und an die Zeit danach, die ich mit völlig verstörten Kindern Tag für Tag aufarbeiten musste. Was ist durch dieses Ereignis auf unserer Welt alles ins Wanken geraten. Und die folgen sind noch nicht abzusehen.
    Danke für deinen Bericht!
    Astrid

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  2. Wir waren auch am Ground Zero. Ich fand es überwältigend!

    Ich lese deine NY-Berichte mit großem Interesse. Da sind eine Menge Tipps dabei, die ich mir für unseren nächsten Besuch merke. Danke dafür!
    Liebe Grüße
    Jutta

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