Eine besondere Lesung – oder – Ein Abend in der Villa Merländer

Ich habe es ja schon in zwei meiner  posts angedeutet, dass ich von einer Lesung letzten Donnerstag noch ausführlich berichten wollte.

Ich nehme Frollein Pfaus Mittwochs mag ich- Aktion einfach mal als Aufhänger dies zu tun.

Diese Lesung hat mich sehr bewegt, zumal sie so besonders war, denn der Autor Paul Glaser erzählte frei und las nicht nur einzelne Kapitel aus seinem Buch „Die Tänzerin von Auschwitz“ vor. Zudem zeigte er viele Fotos und einige Filmausschnitte aus dem Leben seiner Tante. 

 Paul Glaser sagt von sich selber, er sei kein Autor, sondern habe nur seine und die Geschichte seiner Familie aufgeschrieben.

Ich zitiere hier den Klappentext:

Paul Glaser wächst als Kind einer katholischen Familie in einem niederländischen Dorf auf. Bei einer Reise ins KZ Auschwitz stößt er zufällig auf einen Koffer mit seinem Namen. So entdeckt er seine jüdischen Wurzeln und die unfassbare Geschichte seiner Tante Roosje. Als die Nationalsozialisten 1940 die Niederlande besetzen, führt Roosje das Leben einer unternehmungslustigen und emanzipierten Frau, die Erfolgreich eine Tanzschule führt und an Tunieren in ganz Europa teilnimmt. Gegen die Unterdrückung der Machthaber und die Schikanen durch ihre Mitbürger setzt Roosje ihr Leben in der Illegalität fort- bis sie, veraten von ihrem eigenen Ehemann, den Leidensweg durch sieben Konzentrationslager antreten muss. Nur ihrem unerschütterlichen Willen verdankt sie ihr überleben.

Ach je, mag der ein oder Andere jetzt sagen, noch so ein Betroffenheitsbuch zum 70. Jahrestag des Kriegsendes!

Und selbst, wenn es so wäre, auch dann hätte es seine Berechtigung!! 

Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung. 

Aber dieses Buch macht nicht nur betroffen, es feiert das Leben, macht bewusst, dass nicht alle Niederländer die Guten waren, zeigt welche Risse diese Zeit in der Familie Paul Glasers  hinterlassen hat.  Er erfährt erst mit vierzig Jahren, dass seine Familie jüdische Wurzeln hat, und so fährt dies Buch auch zweigleisig. Es erzählt die Lebensgeschichte Roosjes und deckt eine Familienlüge auf.

Ich hörte das erste Mal von diesem Buch bei einer Literatursendung auf WDR 5. Hier könnt ihr es nachhören.

Als ich mich dann weiter informierte, stellte ich fest, dass Paul Glaser just in Krefeld sein Buch bei einer  Lesung in der Villa Merländer vorstellt, (nämlich letzte Woche Donnerstag).

 Die Villa Merländer ist die NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld und ist nach seinem jüdischen Besitzer Richard Merländer, der im KZ ermordet wurde, benannt. Dort sind auch Wandgemälde des Malers Heinrich Campendonk freigelegt wurden.

Paul Glaser erzählte  fesselnd die Geschichte seines Buches, wobei er die KZ-Zeit nur als kurze Daten auf der Leinwand auftauchen ließ, ohne die bekannten Horrorbilder dazu zu zeigen. So informierte er über alle Fakten, versprühte dabei auch den positiven Überlebenswillen seiner Tante, so dass ich nach fast 1 1/2 Stunden nicht mit bleischwerem Gefühl dort rausging, sondern in dem Bewusstsein, froh über mein Leben zu sein.

Im Buch wird natürlich alles detailliert beschrieben, aber beim Lesen kann man sich ja selbst dosieren, wann man eine Pause einlegen will.

Ich kann euch Paul Glasers Buch sehr ans Herz legen!

Wollt ihr noch mehr dazu erfahren, habe ich hier noch einen Bericht aus dem „ttt“-Magazin aus dem Ersten für euch gefunden.

So merkwürdig es sich anhören mag, es war ein schöner, bewegender Abend, von dem ich euch hier unbedingt noch erzählen wollte.

Liebe Grüße,

Monika

2 thoughts on “Eine besondere Lesung – oder – Ein Abend in der Villa Merländer

  1. In welch bemerkenswert schönem Haus euer NS – Dokumentationszentrum liegt ( München bekommt jetzt erst eins, habe ich gerade gelesen, war halt die Hauptstadt der Bewegung, da tut man sich mit dem Aufarbeiten besonders schwer ).
    Ich habe übrigens auch die Sendung auf WDR 5 gehört und war sehr beeindruckt, kann mir also gut vorstellen, wie es dir an dem Abend erging.
    Ales Liebe!
    Astrid

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